Feb18
Prof. Dr. Gabi Reinmann zu interaktiven Whiteboards
Digitale Medien in der Schule haben nur eine echte Chance, wenn Sie den Lehrerinnen und Lehrern einen unmittelbar erlebbaren Mehrwert bieten, wenn sie sich eingliedern lassen in den Unterrichtsablauf und eine wie auch immer geartete Erleichterung darstellen.
Das ist keine neue Erkenntnis. Interaktive Whiteboards erfüllen diese Voraussetzung: Das fängt schon damit an, dass es für ein interaktives Whiteboard einen Platz im Klassenzimmer gibt – den gleichen nämlich wie die Tafel. Die Funktionen sind schnell einsichtig: Man kann darauf schreiben wie auf einer Tafel, man kann aber auch multimediales Material auf dieser Tafel sehen, kommentieren, ergänzen, verändern und mit allen Modifikationen aufbewahren und zugänglich machen. Das ist ein wunderbarer Anfang für den Einzug digitaler Medien auch in deutsche Klassenzimmer, denn bisher hat man die neue Technik – von Ausnahmen einmal abgesehen – gerne in separate Räume verbannt.
Es ist ein Anfang! Nicht mehr und nicht weniger. Es ist praktisch und wenn es dabei hilft, Hürden im Umgang mit den digitalen Medien seitens der Lehrerschaft abzubauen, dann ist das begrüßenswert. Wer aber in interaktiven Whiteboards nur einen Tafelersetz sieht, der den Kreidestaub und lästiges Quietschen eliminiert, wie es uns die Presse in den letzten Wochen vorgekaut hat, der zementiert den Frontalunterricht. Dieser muss nicht prinzipiell schlecht sein, aber in seiner Ausschließlichkeit entspricht er nicht dem, wie Schulbildung heute aussehen könnte und müsste.
Das interaktive Whiteboard in der Hand von Lehrenden, die keine Chance hatten kennenzulernen und einzuüben, wie man Unterricht mit digitalen Medien schülerzentriert verändern kann, überzeugt mich nicht: Das ist als würde man hoffen, für ein besseres Klima Mobilitätsgewohnheiten verändern zu können, indem man den alten Lieferwagen gegen einen neuen Geländewagen eintauscht. Das interaktive Whiteboard in Schulen, die an sich nichts an bestehenden Strukturen ändern und keine neue Lernkultur fördern wollen, wird vor allem die engagierten Lehrerinnen und Lehrer frustrieren, die das Potenzial solcher und anderer digitaler Anwendungen tatsächlich für ihre Schüler nutzen wollen. Fazit: Es braucht schon eine ganze Menge mehr als den Kauf eines neuen Geräts.
Kontakt:
Prof. Dr. Gabi Reinmann
Institut für Medien und Bildungstechnologie/Medienpädagogik
Universität Augsburg
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www.imb-uni-augsburg.de/medienp-dagogik/aktuelles
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